Um Rohstoffe noch besser recyceln zu können, braucht es einheitliche Informationen auf den Verpackungen und Produkten. Bild: AdobeStock

Hausmülltrennung, Recycling und Konsumverhalten

Dass die Rohstoffversorgung in Deutschland keine Selbstverständlichkeit mehr ist, bekommen wir zurzeit überall im Alltag zu spüren. Damit die Versorgung mit Rohstoffen auch langfristig sichergestellt werden kann, kommen den Sekundärrohstoffen eine besondere Bedeutung zu. Mülltrennung, Recycling und Stoffkreisläufe verlängern die „Lebensdauer“ von Primär-Ressourcen wie Holz, Öl, Wasser und tragen ganz erheblich zum Klima- und Umweltschutz bei. Voraussetzung: eine saubere Mülltrennung durch die Verbraucher*innen. Doch auch die Produkthersteller selbst sind in der Verantwortung.

Um die Sicht und das Verhalten von Konsument*innen in Deutschland zum Thema Hausmülltrennung, Recycling und Abfallvermeidung und deren Anforderungen an die Produkthersteller zu erfassen, hat EARSandEYES jeweils 1.000 Bürger*innen in zwei repräsentativen Umfragen befragt.

 

Grundsätzlich wird der Hausmüll in Deutschland getrennt 

Erfreulicherweise kommen wir unserem Ruf als „Weltmeister im Mülltrennen“ tatsächlich nach. Denn nur zwei Prozent aller Befragten gaben an, ihren Hausmüll gar nicht zu trennen. In 96 Prozent der deutschen Haushalte werden Papier / Karton getrennt, Restmüll zu 93 Prozent sowie Kunststoff und Plastik zu 92 Prozent separat entsorgt. Glas wird zu 88 Prozent zum Glascontainer getragen und in 67 Prozent der Haushalte wird der Biomüll vom Restmüll getrennt.  

 

Aufbereitung und Wiederverwendung von Rohstoffen: Verbraucher*innen sehen die Produkthersteller in der Informationspflicht

Bereits bei der Entscheidung für eine Produktverpackung, können Hersteller einen Beitrag zur Lebensdauer vom Primär-Ressourcen leisten, indem sie gut recyclebare Verpackungsmaterialien nutzen. Dennoch garantiert eine hohe Recyclingfähigkeit noch keine ordnungsgemäße Entsorgung der Einzelteile einer Verpackung, als Voraussetzung für einen Rohstoffkreislauf und die damit verbundene Wiederverwertung und Schonung der natürlichen Ressourcen. Es existieren bereits zahlreiche Informationen zur richtigen Hausmülltrennung und Entsorgung, doch sehen 38 Prozent aller Bürger*innen die Produkthersteller in der Pflicht über die korrekte Entsorgung ihrer Verpackungen, Produkte und deren Einzelteile zu informieren. Nur ein weiteres Viertel sieht die Verantwortung bei den Entsorgern, wie zum Beispiel der lokalen Stadtreinigung.

Hierzu haben wir ebenfalls ein Experteninterview mit der Stadtreinigung Hamburg zum Thema Mülltrennung, Recycling und regionaler Recyclingkreislauf geführt.

 

Pflicht oder Kür?

Immerhin gibt es mehr und mehr Hersteller, die auf ihren Verpackungen Hinweise zur Mülltrennung geben. Sehr häufig sind dies Produzenten von Bio und /oder vegetarischen/veganen Produkten. Mittlerweile aber auch Händler wie zum Beispiel EDEKA und Aldi, die die Verpackungen ihrer Eigenmarken mit Recyclinghinweisen versehen (Abbildung 1 und 2). Die gute Nachricht: die Hälfte aller deutschen Bürger*innen richtet sich bereits nach diesen Hinweisen. Der Haken: 4 von 10 haben diese Informationen bisher noch gar nicht bewusst wahrgenommen.

Einig sind sich aber nahezu alle Studienteilnehmer, dass diese Hinweise äußerst hilfreich sind. Geben doch 40 Prozent derer, die sich bei der richtigen Hausmülltrennung nicht immer sicher sind, an, Hinweise zur Entsorgung auf der Verpackung zu suchen und diese zu befolgen. Dabei wünschen sich 6 von 10 Verbraucher*innen eine einheitliche Darstellung der Recyclinghinweise über alle Hersteller und Händler hinweg. Ein weiteres Drittel plädiert dafür, die Information zur Mülltrennung noch viel präsenter, zum Beispiel vorderseitig auf den Verpackungen zu zeigen.

Abbildung 1: Edeka Eigenmarken Recycling-Wegweiser                                                 Abbildung 2: Aldi Recycling-Hinweise

Verbraucher*innen benötigen offensichtliche und eindeutige Hinweise

Die Bürger*innen nehmen das Thema Mülltrennung im eigenen Haushalt sehr ernst: nahezu jede*r trennt den Hausmüll in Papier, Restmüll, Kunststoff und Glas. Einzig beim Biomüll kommen wir nur auf eine Quote von zwei Drittel, da der Anschlussgrad an die Biotonne in Deutschland immer noch zu gering ist.*

Zwar sind sich drei Viertel der Befragten laut eigener Angabe immer sicher, wie sie ihren Müll ordnungsgemäß trennen, doch weniger als die Hälfte aller Bürger*innen entsorgt auch die einzelnen Verpackungsbestandteile getrennt voneinander (zum Beispiel das Ablösen des Aludeckels vom Joghurtbecher). Den meisten Verbraucher*innen ist es schlicht zu aufwändig (54%) oder diese nachhaltige Anforderung an die Mülltrennung war ihnen bisher nicht bekannt (37%). Hier zeigt sich ein gewisser Gap zwischen der Einschätzung des eigenen Wissens zur richtigen Mülltrennung und der tatsächlichen Umsetzung. Sollte tatsächlich Unsicherheit bei der Müllentsorgung aufkommen, trennt der Großteil nach bestem Wissen und Gewissen. 40 Prozent der Unsicheren suchen den Hinweis auf der Verpackung zur richtigen Entsorgung und folgen diesem. Gibt es keinen Entsorgungshinweis auf der Verpackung, wird im Internet danach recherchiert. Auch hier zeigt sich, dass zusätzliche Informationen zur Mülltrennung, die korrekte und ressourcensparende Entsorgung von Rohstoffen unterstützen können. Die zu entsorgende Verpackung ist dabei die naheliegendste Informationsquelle für die Verbraucher*innen.

 

Nachhaltigkeit fängt beim Einkaufen an

Die Nutzung von recyceltem Material für die Herstellung von Verpackungen ist ein weiterer Weg Rohstoffe zu schonen und einen effektiven Recyclingkreislauf zu unterstützen. Die Konsument*innen haben dies bereits im Blick: drei Viertel geben an, bereits beim Einkauf darauf zu achten, dass die Verpackung (teilweise) aus recyceltem Material besteht. Für ein Drittel ist dieser Aspekt sogar relevant für die Kaufentscheidung (bei der Wahl zwischen zwei gleichwertigen Produkten).

Zudem achten etwa drei Viertel zumindest gelegentlich auf den eigenen abfallarmen Konsum, ein Fünftel immer. Ein Großteil (84 Prozent) nutzt bereits regelmäßig eine selbst mitgebrachte Einkaufstasche, um Plastik oder den Neukauf von Taschen zu vermeiden. Ein weiteres Mittel zur Abfallvermeidung ist für 60 Prozent der regelmäßige Griff zu losem Obst und Gemüse. Die Nutzung von Mehrwegalternativen und Nachfüllpackungen wird seltener umgesetzt.

 

Fazit

Ja, Deutschland ist weltweit gesehen gut im Mülltrennen und im Recycling von Rohstoffen. Vor uns liegen nur Südkorea, Schweden, Japan, die Schweiz und die Niederlande.** Doch ist Deutschland gleichzeitig weltweit auch einer der größten Müllproduzenten, nach USA, China, Brasilien und Japan, mit täglich 127.800 Tonnen.*** Recycling, Müllvermeidung und Nachhaltigkeit werden uns also weiterhin beschäftigen. Herstellende Unternehmen werden dabei immer mehr in die Verantwortung genommen. Auch bei den großen Händlern und Herstellern wird mehr und mehr an umweltschonende Verpackungen und optimierte Herstellungsverfahren gedacht. Zudem fordern Verbraucher*innen eine klare Kommunikation: sie plädieren für eine einheitliche Auslobung von Recyclinghinweisen auf allen Verpackungen – über alle Hersteller und Händler hinweg. So können die Produzenten von Produkten und Verpackungen ihren Beitrag leisten, die Konsument*innen bei der ressourcenschonenden Mülltrennung zu unterstützen, Wissenslücken zu schließen und damit einen weiteren Teil zu einer nachhaltigeren Produktion beizusteuern. Denn auch wenn Verbraucher*innen oft schon denken, ihren Müll richtig zu trennen, zeigt sich noch Bedarf an Aufklärung – an der naheliegendsten Stelle – auf der Packung, direkt in der Hand der Verbraucher*innen. Das Sinnvollste ist aber, sowohl als Hersteller, Händler und Konsument zu versuchen, Produkte und Verpackungen aus Plastik bestmöglich zu vermeiden. Und wenn dies nicht möglich ist, sie fachgerecht fürs Recyceln zu kennzeichnen und nach Gebrauch dementsprechend zu entsorgen.

 

NABU

** recyclingmagazin.de 2019

*** Statista 2018

 

Über die Studien:

Studie 1, Thema „Hausmülltrennung & Recycling“
Befragungszeitraum: 20. Juni bis 31. Juli 2022 
Grundgesamtheit: Deutsche Wohnbevölkerung
Altersgruppe: 18-69 Jahre
Stichprobengröße: n=1.000 
Methode: Online-Befragung im qualitätskontrollierten EARSandEYES Accesspool.
Bevölkerungsrepräsentative Ergebnisse
Angleichung an die amtliche Statistik für Alter, Geschlecht mittels iterativer Gewichtung

 

Studie 2, Thema „Abfallvermeidung“
Befragungszeitraum: 20. Juli bis 25. Juli 2022
Grundgesamtheit: Deutsche Wohnbevölkerung
Altersgruppe: 16-69 Jahre
Stichprobengröße: n=1.000 
Methode: Online-Befragung im qualitätskontrollierten EARSandEYES Accesspool.
Bevölkerungsrepräsentative Ergebnisse hinsichtlich Alter, Geschlecht und Region

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Die autor:innen

Geschrieben von EARSandEYES

Das Hamburger Full-Service Institut EARSandEYES steht nationalen und internationalen Unternehmen seit 1998 als verlässlicher Partner bei der Innovations-, Marken- und Marketingforschung zur Seite. Die erfahrenen EARSandEYES Consultants greifen auf umfassendes Methodenwissen und fundierte Branchenkenntnisse zurück. Serviceorientierung und Innovationskraft gehören zu den zentralen Werten des Unternehmens. Seit 2017 ergänzt EARSandEYES sein Angebot durch die automatisierte Pretesting-Lösung kvest.com: präzise Insights zu Produktkonzept, Verpackungsdesign und Werbewirkung innerhalb von 48 Stunden – dargestellt in einem interaktiven Live-Dashboard.

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