Den Vorlieben auf der Spur

Hamburger Abendblatt, 5./6. September 2015 – Marktforschung – wo Mathe, Menschen und Statistik zusammenkommen

Von Bettina Brüdgam. Why?“, prangt in schwarzen Lettern auf einem Poster hinter dem Schreibtisch von Saghar Walizada Die Frage nach dem „warum“ gehört inzwischen zum täglichen Programm der 24-Jährigen. Schließlich gründen sich darauf alle Tätigkeiten in ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Markt- undSozialforschung, kurz FAMS, beim Hamburger Marktforschungsinstitut EARSandEYES.

„Letztendlich erforschen wir die Motive von Entscheidungen“, umreißt Walizada das Aufgabengebiet. Die FAMS-Ausbildung existiert seit dem Jahr 2006. Um den Beruf zu erlernen, besuchen rund 50 Azubis aus Norddeutschland aktuell die Berufsschule „Medienschule Hamburg“. Saghar Walizada, die zuvor ein Jura-Studium aufnahm, fand ihr Faible für Wirtschaft und Soziologie erst im „zweiten Gang“. Inzwischen im dritten Lehrjahr hat sie ihre Entscheidung bis heute nie bereut: „Der Job ist total abwechslungsreich, und jeder Tag ist spannend.“

In Marktforschungsinstituten unterstützten die FAMS Azubis die Organisation von Studien und Umfragen meist für Industrie- oder Handelsunternehmen, die mehr über ihre Kunden und deren Wünsche erfahren möchten. „Während der Ausbildung durchläuft man die gesamte Projektkette“, erklärt Jörg Maas, Fachbeirat beim Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher. Begonnen mit dem Schreiben von Angeboten über die Beauftragung externer Dienstleister für die Befragungen über die Planung von Stichproben und die Erstellung der Fragebögen bis zur Analyse der Daten und Präsentation.

Einige Voraussetzungen sollte man für den Job mitbringen: „Wer sich mit drei Fehlern im Anschreiben bewirbt, der beweist wenig Veranlagung zur Sorgfalt“, sagt Lasse Wolfarth, Ausbilder bei EARSandEYES. Diese Eigenschaft sei jedoch ein Muss für den Beruf. Zudem sollten Bewerber Begeisterungsfähigkeit zeigen. Das sieht man bei Ipsos ähnlich: „Wer für das Thema Marktforschung brennt, ein positives Verhältnis zu Zahlen hat und sorgfältig arbeitet, ist bei uns richtig“, fasst Teamleiterin Petra Stahl die Hauptanforderungen zusammen. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind gut: „Mit dem Abschluss in der Tasche finden fast alle schnell einen Job, die meisten werden vom Betrieb übernommen,“ so Stahl.

5. September 2015|