Automatisierte Marktforschung als Antwort auf die wachsende Digitalisierung

planung&analyse, 15. Dezember 2017 – Umfrage zum Jahreswechsel 2017/2018: Den Wandel als Chance begreifen

Mit automatisierter Marktforschung als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Portfolio, so sehen Frank Lüttschwager und Susanne Maisch, Geschäftsführer von EarsandEyes, die nähere und ferne Zukunft.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen und die wichtigsten Themen, die die Branche im Jahr 2018 beschäftigen werden?
Aus unserer Sicht wird auch nächstes Jahr das Thema automatisierte Marktforschung die Branche beschäftigen. Eine große Herausforderung wird dabei sein, den Kunden mit der Fülle an Lösungen nicht alleine zu lassen, sondern ihn ausreichend darüber zu informieren, was automatisierte Marktforschung leistet und wann sie sinnvoll eingesetzt werden kann. Es gibt Fragestellungen, wie beispielsweise zum Thema Werbewirkung, die mit Hilfe standardisierter Verfahren gut beantwortet werden können. Auf der anderen Seite gibt es komplexe Problemstellungen, die weiterhin einer persönlichen Beratung und individueller Lösungen bedürfen. Als Branche stehen wir da in der Pflicht jeglichen Missverständnissen und daraus resultierenden Enttäuschungen vorzubeugen.

Wovon wird sich die Branche verabschieden müssen?
Von absoluten Wahrheiten. Früher gab es richtige und falsche Ansätze für Marktforschung und anerkannte und feste Erwartungen an Gütekriterien wie Reliabilität, Repräsentativität und Validität. Natürlich sind diese Kriterien nach wie vor relevant und wir als Marktforscher sollten immer versuchen, diese bestmöglich zu erfüllen und unsere Kunden entsprechend zu beraten. Nichtsdestotrotz zeigt sich in der Praxis, dass Schnelligkeit und Flexibilität deutlich an Relevanz gewonnen haben und Auftraggeber durchaus bereit sind, bei den genannten Gütekriterien Abstriche zu machen, sofern diese noch gut genug erfüllt werden, um mit den Ergebnissen arbeiten zu können.

Was steht für Ihr Unternehmen im kommenden Jahr an?
Auch bei uns wird im kommenden Jahr das Thema automatisierte Marktforschung im Fokus stehen. Bereits Ende Oktober dieses Jahres haben wir kvest gelauncht und auf der diesjährigen Research&Results in München erstmalig dem Fachpublikum vorgestellt.
kvest ist eine Self-Service-Plattform für standardisierte Testverfahren. Aktuell kann mit kvest das Erfolgspotential von Konzepten, Designs, Kampagnen, Logos und Claims geprüft werden. Weitere Tests und Funktionalitäten werden bereits entwickelt und schrittweise im kommenden Jahr implementiert.
Die Idee zu kvest ist übrigens aus intensiven Gesprächen mit unseren Kunden aus den Bereichen Werbung, Marketing, Publishing und natürlich Marktforschung entstanden. Dabei ging es um die Relevanz beschleunigter Marktforschungsprozesse für ausgewählte Themen im Rahmen der Produktkommunikation sowie des Produktmanagements.

Wie sind Sie mit dem Jahr 2017 zufrieden? Was ist Ihnen besonders gut gelungen?
Insgesamt lassen wir dieses Jahr sehr zufrieden ausklingen. Wir hatten sehr spannende Projekte, konnten die Zusammenarbeit mit langjährigen Kunden vertiefen und neue Kunden von unseren Leistungen überzeugen. Zudem haben wir unser Team vergrößert und freuen uns nun auf neue Herausforderungen im neuen Jahr.
Thementechnisch hat uns 2017 die Entwicklung von kvest sehr beschäftigt. In kvest steckt viel Arbeit und ein gewisses Risiko war natürlich auch dabei. Wir freuen uns aber nach wie vor, diesen Weg eingeschlagen zu haben und sind sehr stolz auf das Ergebnis. Die positive Resonanz unserer Kunden bestätigt uns in unserer Arbeit.
Wir sehen in der automatisierten Marktforschung eine sinnvolle Ergänzung unseres bestehenden Portfolios. Mit kvest bieten wir unseren Kunden ein Tool zur agilen Entscheidungsfindung und machen Markforschung auch denjenigen zugänglich, denen es sonst an Zeit, Budget oder Know How mangelt.

Wie sieht die Marktforschung im Jahr 2030 aus?
In 2030 werden wir Marktforscher viel mehr Möglichkeiten haben, den Konsumenten in seiner gewohnten Umgebung zu beobachten und seine Verhaltensweisen und Bedürfnisse zu verstehen. Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist das Internet of Things. Die Daten werden viel häufiger von Dingen als von Menschen stammen. Klassische befragende Marktforschung wird es zwar immer noch geben, der Hauptteil der Daten wird jedoch durch Beobachtung und Tracking des Konsumentenverhalts erhoben. Befragungen werden in erster Linie zur Anreicherung und Bestätigung der anderweitig gewonnen Daten eingesetzt.

Zum Artikel

15. Dezember 2017|