Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt: Wenig Rückhalt für anonyme Bewerbung

Qualifikation und beruflicher Werdegang gehören zu den Kriterien bei der Jobvergabe. Bild: Pixabay / loufre

Hamburg, 23. Juli 2018 – Beinahe jeder Dritte hat sich bei der Jobsuche schon einmal aufgrund seines Alters, Geschlechts, Aussehens, Familienstands oder seiner Herkunft benachteiligt gefühlt.

Das geht aus einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts EARSandEYES hervor, für die im Juni und Juli 2018 2.000 in Deutschland lebende Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt wurden.

Bereits 2010 hatte sich bei einer Vorgängerstudie ein gleich hoher Anteil von 30 Prozent entsprechend geäußert. Während vor acht Jahren auffällig viele ältere Befragte (älter als 50 Jahre) von Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt berichteten, verteilt sich diese Wahrnehmung in der aktuellen Befragung gleichmäßig über alle Altersgruppen.

Anonyme Bewerbungsverfahren kaum verbreitet

Anlass für die damalige Befragung war die Erprobung von anonymen Bewerbungsverfahren im Rahmen eines Pilotprojekts. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hatte den Versuch mit einer Reihe von Unternehmen und Behörden in Deutschland initiiert.

Acht Jahre später sieht die Bilanz jedoch ernüchternd aus: Die Bewerbung ohne Foto, Name oder weitere persönliche Daten hat lediglich vereinzelt Eingang in bestehende Prozesse gefunden.

Das Ergebnis der aktuellen Studie spiegelt dieses Bild wider: Zwar glaubt die Mehrheit der Befragten (54 %) heute, dass anonyme Bewerbungsverfahren zu mehr Gerechtigkeit und weniger Diskriminierung beitragen können, fast ebenso viele sehen für sich selbst aber Vorteile bei einer nicht-anonymen Bewerbung (53 %) und würden bei freier Wahl alle üblichen Angaben zur eigenen Person anführen (54 %).

Minderheit sieht Vorteile bei anonymer Bewerbung

Lediglich 15 % der Befragten gehen davon aus, mit einer anonymen Bewerbung wirklich besser zu fahren. Immerhin 20 % rechnen mit gleich guten Chancen, wenn sie eine vollständige oder eine anonyme Bewerbung einreichen.

Als Hauptgrund für die Skepsis nennt eine Mehrheit der Ablehner (52 %), dass eine anonyme Bewerbung den Prozess lediglich verzögere, denn spätestens beim Vorstellungsgespräch würden die Angaben zur Person ohnehin bekannt. Ein Drittel befürchtet, eine Bewerbung ohne persönliche Daten werde beim potenziellen Arbeitgeber nicht gern gesehen.

Zur Studie

Stichprobe: 2018 n = 2.000 / 2010 n = 1.275 in Deutschland lebende Personen, 18-69 Jahre.

Bevölkerungsrepräsentative Ergebnisse. Angleichung an die amtliche Statistik für Alter, Geschlecht mittels iterativer Gewichtung. Methode: Online-Befragung. Geschlossener, qualitätskontrollierter EARSandEYES Accesspool

Die Ergebnisse sind nur unter Angabe der Quelle frei verwendbar. Fordern Sie gern unsere Datentabellen an!

23. Juli 2018|