Ein bisschen Klassentreffen: Frank Lüttschwager (r.) und Interrogare-Geschäftsführer Peter Wiegelmann. Bild: P. Wiegelmann

Ende August lud die planung&analyse wieder zur Marktforschungskonferenz Insights in Frankfurt. EARSandEYES-Geschäftsführer Frank Lüttschwager war dabei.

Die Insights 2021 war meine erste öffentliche Live-Veranstaltung seit fast zwei Jahren. Das letzte Mal auf einem größeren Event war ich im Oktober 2019 auf der Marktforschungsmesse „Research & Results“. Zu dem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass sie in dieser Form zum letzten Mal stattfinden würde.

Die Insights war auch in diesem Jahr als Hybrid-Veranstaltung ausgelegt, was sicher eine gute Idee war: Mit über 200 Teilnehmern vor Ort sowie 100 Online-Teilnehmern hat sich dieser Ansatz offensichtlich bewährt. Für mich persönlich war die Online-Teilnahme allerdings keine Alternative. Ich finde, es gab wirklich gut organisierte Online-Veranstaltungen in den letzten 1,5 Jahren, aber ich muss sagen: Ich bin es auch leid. Irgendwie ist man dann doch nie 100 Prozent bei der Sache, weil man noch Mails checkt, Kunden und Kollegen anrufen oder der Vortrag einfach nicht genug fesselt.

Daher habe ich mich sehr gefreut, endlich mal wieder live dabei zu sein, viele Kollegen wieder zu treffen und auch neu kennen zu lernen.

Branche „zwischen Enthusiasmus und Verzweiflung“

In der Kongresseröffnung begrüßten Sabine Hedewig-Mohr und Uwe Vorkötter sympathisch und motiviert die Besucher. Nach ihren Aussagen verbrachte die Branche die letzten Monate relativ gelassen zwischen Enthusiasmus und Verzweiflung – eine recht treffende Formulierung, wie ich fand. In einem kurzweiligen Dialog beleuchteten die beiden die aktuelle (und generell positive) Situation der Branche.

Dann kamen die Fachvorträge. Dazu habe ich zwar ebenfalls mehrere Seiten von Notizen, aber es gibt auch schon gute Berichterstattung auf planung&analyse bzw. Horizont. Dass mit der Insights und dem Horizont Werbewirkungsgipfel zwei Kongresse parallel stattfanden, empfand ich als großen Vorteil, da es einfach die Auswahl an interessanten Vorträgen erhöhte – auch wenn man als „gemeiner Marktforscher“ den Großteil der Zeit schon bei den von der p&a zusammengestellten Vorträgen verbrachte.

Wie auf jedem Kongress waren großartige und weniger großartige Vorträge dabei. Aber jeder, der schon einmal irgendwo in einem Programmkomitee saß, weiß, dass es fast unmöglich ist, die Qualität eines Vortrages aufgrund der Einreichung mit hundertprozentiger Sicherheit vorauszusagen. Insgesamt hat die Mischung auf jeden Fall gestimmt!

Dass einige Vorträge nur virtuell stattfanden, weil die Referenten zugeschaltet waren, fand ich ein wenig schade, dafür muss man sich nicht in einen großen Saal setzen. Insgesamt war die Quote dieser Vorträge jedoch niedrig genug, dass es akzeptabel war. Und bei einer internationalen Podiumsdiskussion mit ESOMAR war das Format sogar nachvollziehbar.

Eins muss ich aber doch noch erwähnen: Auch diesmal war wieder ein Unternehmen dabei, das mit seinem Ansatz die Marktforschung revolutionieren und die „klassische Marktforschung verdrängen“ will. Darunter macht es heute anscheinend kaum noch jemand. Natürlich gehört das Klappern zum Handwerk, aber ich persönlich habe das Argument mit der Disruption in den letzten Jahren wirklich zu oft gehört.

Ohne Zweifel kommen da gerade viele spannende Ansätze in den Markt, aber es ist ja nicht so, als würde die sogenannte „klassische“ Marktforschung (was immer das genau ist) nicht ebenso an der Zukunftsfähigkeit ihrer Dienstleistung arbeiten – und das mit teilweise Jahrzehnten an Erfahrung im Rücken.

Netzwerken in persona: Live ist nun mal live

Das Schönste am Kongress waren aber die Gespräche in den verschiedenen Kaffeepausen und am Abend auf der kleinen Kongressparty. Anfangs war die Menge der Menschen und die Menge der Gespräche ungewohnt, aber im Laufe der Zeit wurden die sozialen Fähigkeiten wieder besser. Sie waren ja nicht verschwunden, nur ein wenig in Vergessenheit geraten. Und das Abendessen auf der Party war auch gut – und ein schöner Gegensatz zum Mittagessen, das zwar alle Regeln zur Ansteckungsminimierung vorbildlich eingehalten hat, was nur leider deutlich zu Lasten des Genusses ging. Aber das muss man sicherlich eher dem Hotel ankreiden als den Veranstaltern.

Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, so viele Freunde und Kollegen wieder zu sehen und mich austauschen zu können. Gerade die Netzwerkmöglichkeiten sind virtuell ja doch sehr eingeschränkt, auch wenn es einige gute Ansätze gibt. Aber live ist nun mal live.

Insgesamt war die Insights 2021 eine runde Veranstaltung. Auch ein wenig anstrengend, weil man Kommunikation in diesem Rahmen gar nicht mehr gewohnt ist, aber auf jeden Fall ein lohnender Besuch und ein erster Schritt in die Normalität – auch wenn uns da noch einiges an Weg bevorsteht.