Geschlechtergerechte Sprache ist häufig ein Streitthema. Bild: Coyote III / Wikipedia / CC BY-SA 4.0

Frauen sind oft „mitgemeint“ – werden aber nicht unbedingt mitgedacht: Unsere aktuelle Studie zeigt, dass sich die Nutzung des generischen Maskulinums negativ auf den gedanklichen Einbezug weiblicher Personen auswirkt.

Es ist noch immer ein heißes Eisen: Die Frage, ob gegendert werden soll – und wenn ja, in welcher Form – sorgt regelmäßig und verlässlich für erhitzte Gemüter. Verfechter*innen des generischen Maskulinums führen dabei gern ins Feld, dass zumindest Frauen ja in der Regel „mitgemeint“ seien. Das mag grundsätzlich zutreffen, kommt aber bei Weitem nicht immer so an: Unsere neue Studie zeigt, dass sowohl die Beidnennung als auch die Schreibweise mit dem sogenannten „Genderstern“ Menschen deutlich häufiger an Frauen denken lässt als das generische Maskulinum.

Drei separate Gruppen von Befragten wurden darin gebeten, spontan jeweils zwei bekannte Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen zu nennen. Die Befragungsgruppen unterschieden sich dabei ausschließlich durch die Schreibweise der Fragestellung: Während in einer Gruppe nach „Schauspielern“ (bzw. „Musikern“ und „Moderatoren“) gefragt wurde, erhielt die zweite Gruppe dieselbe Aufgabe mit Beidnennung („Schauspielerinnen oder Schauspieler“). Die dritte Gruppe schließlich wurde gebeten, „Schauspieler*innen“, „Musiker*innen“ oder „Moderator*innen“ anzugeben.

Anteil weiblicher Nennungen verdoppelt sich

Ergebnis: Während in der Versuchsgruppe mit generischem Maskulinum in lediglich 8 Prozent der Fälle ausschließlich Personen weiblichen Geschlechts genannt wurden, erhöhte sich dieser Anteil bei Beidnennung bereits signifikant auf 12 Prozent. Die Schreibweise mit Gendersternchen wiederum hatte eine weitere Steigerung auf 16 Prozent zur Folge – und somit eine Verdopplung des Ergebnisses aus der Gruppe mit generischem Maskulinum.

Auch der Anteil der gemischtgeschlechtlichen Nennungen unterschied sich deutlich in den einzelnen Versuchsgruppen: Während unter Einsatz des generischen Maskulinums lediglich jede fünfte Nennung aus männlichen und weiblichen Personen bestand, war es bei Verwendung der Beidnennung bereits jede dritte. Mit Einsatz des Gendersternchens wiederum verminderten sich sowohl die Anteile rein männlicher als auch gemischtgeschlechtlicher Nennungen demgegenüber leicht – parallel zum steigenden Anteil ausschließlich weiblicher Antworten.

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Eingebetteter Inhalt (zum Anzeigen klicken): Diagramm zur Geschlechterverteilung genannter Personen.

Auch Geschlecht der befragten Person entscheidend

Neben der Formulierung der Fragestellung zeigt die Studie auch einen Zusammenhang mit dem Geschlecht der Versuchsperson: Grundsätzlich nannten weibliche Befragte deutlich häufiger weibliche Personen als männliche Befragte – dieser Effekt ist allerdings bei Verwendung des generischen Maskulinums nicht mehr signifikant.

Alter und Bildungsstand hingegen haben der Studie zufolge keinen Einfluss auf den gedanklichen Einbezug weiblicher Personen.

Fazit: Die Herausforderung einer Sprache, die Angehörige aller Geschlechter gleichberechtigt einschließt, bleibt komplex und vielschichtig. Unsere Studie liefert allerdings Hinweise darauf, dass die Verwendung des generischen Maskulinums nicht die beste Lösung ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Über die Studie

Befragungszeitraum: 27. November bis 17. Dezember 2020
Grundgesamtheit: Deutsche Wohnbevölkerung
Stichprobengröße: n = 450
Altersgruppe: 18-72 Jahre
Methode: Online-Befragung im geschlossenen, qualitätskontrollierten EARSandEYES Accesspool

Diese Studie ist Bestandteil einer universitären Abschlussarbeit.
Studienleitung: Melissa Koch