Datenschutz: Soziale Medien haben massiven Nachholbedarf

Gespaltenes Fazit nach einem Jahr DSGVO

Social Media Apps auf dem Smartphone. Bild: Thomas Ulrich / Pixabay

Soziale Medien und Blogs müssen bei der Umsetzung gesetzlicher Bestimmungen dringend nachbessern, Banken und Krankenversicherungen kommen in der Wahrnehmung der Nutzer hingegen vergleichsweise gut weg – das ergibt unsere aktuelle Befragung anlässlich des sich jährenden Inkrafttretens der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

So zeigen sich ganze 33 Prozent der Social-Media-Nutzer unzufrieden mit der Informationspolitik und praktischen Umsetzung der Datenschutzbestimmungen durch Facebook, WhatsApp und Co. Auch Blogseiten werden von jedem fünften Befragten kritisch beurteilt, wobei sich gleichzeitig ein ähnlich großer Anteil (23 %) zufrieden mit der Umsetzung zeigt.

Die größte Zufriedenheit in Sachen Datenschutz äußern die Kunden von Banken und Finanzinstituten. Gut jeder Zweite (55 %) nimmt ihre Umsetzung der Bestimmungen als ausreichend wahr. Ähnlich wohlwollend werden ansonsten nur die Krankenkassen beurteilt, die mit 48 Prozent Zufriedenheit auf dem zweiten Platz landen – vor E-Mail-Anbietern und Online-Shops.

Insgesamt schneiden alle Institutionen bei den Nutzern, die nach eigener Aussage einige oder gute Kenntnisse von den Inhalten der DSGVO haben, deutlich besser ab.

Textwüsten und unnötige Abfragen: Das stört die Nutzer

Die Analyse der ungestützten Abfrage bestätigt den Eindruck, dass bei einem ernstzunehmenden Teil der Bevölkerung tatsächlich eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Inhalten und der Umsetzung der DSGVO stattfindet. So monieren viele Befragte explizit die mangelnde Transparenz von Unternehmen in Bezug auf den Umgang mit personenbezogenen Daten.

„Ich hätte gerne Transparenz bei den jeweiligen Vorgängen. Stattdessen wird man mit seitenlangen Dokumenten bombardiert, die man nur schwer in Bezug zu der späteren Nutzung des Services setzen kann.“

Die umfangreichen Datenschutzerklärungen etwa, deren Bestätigung viele Anbieter zur Voraussetzung für ihre Dienste machen, werden häufig als unverständlich oder sogar irreführend empfunden.

„Die Datenschutzrichtlinien sind bewusst unverständlich gehalten, selbst für Juristen kaum zu verstehen, und erlauben um ‚7 Ecken‘ letztlich doch all das, was in der DSGVO eigentlich verboten ist.“

Besonders kritisch werden auch hier Soziale Medien wie Facebook beurteilt. Das Stimmungsbild in den offenen Nennungen ist klar: Der US-Anbieter kann es sich leisten, die europäischen Bestimmungen nur lückenhaft umzusetzen, um sein Modell der Nutzung persönlicher Daten ungestört weiter zu betreiben.

„In manchen Bereichen wird der Datenschutz bis ins Lächerliche ausgeweitet, während in anderen Bereichen (z. B. Social Media) weiterhin Undurchsichtigkeit herrscht.“

Auf Kritik bei den Nutzern stößt auch die unnötige Abfrage personenbezogener Daten ohne konkreten Anlass. Besonders trifft dies auf Pflichtangaben zu, ohne deren Angabe die Nutzung des jeweiligen Services unmöglich ist.

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Hälfte der Bevölkerung sieht keine Verbesserung

Ende Mai 2018 trat die europäische Datenschutz­grund­verordnung (DSGVO) verbindlich in Kraft und regelt seitdem in allen EU-Mitgliedsstaaten den Umgang mit personenbezogenen Daten.

Zur Studie

Methode: Online-Befragung im qualitätskontrollierten EARSandEYES Accesspool. Bevölkerungsrepräsentative Ergebnisse.

Erhebungszeitraum: 29. April – 15. Mai 2019

Stichprobe: n = 1.100 in Deutschland lebende Bürger im Alter von 16-69 Jahren

24. Mai 2019|Studie|