CBD hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Bild: Sohini/Unsplash

Die Bekanntheit des Cannabis-Wirkstoffs Cannabidiol (CBD) ist in den letzten zwölf Monaten stark gestiegen. Gleichzeitig scheinen viele einen therapeutischen Einsatz von CBD kritischer zu beurteilen. Ist das einstige „Wundermittel“ erwachsen geworden?

Als wir im Juli letzten Jahres unser Panel zum Thema CBD befragten, erlebte der Wirkstoff aus der Cannabis-Pflanze gerade den ersten Höhepunkt seiner bemerkenswerten Popularität. Kaum eine „Superfoods“-Liste oder Lifestyle-Kolumne, kaum ein Ernährungs-Check kam ohne Erwähnung der Substanz aus, der oft geradezu mythische Eigenschaften zugeschrieben werden.

Damals konnte bereits knapp jeder dritte Deutsche den Begriff „CBD“ richtig zuordnen. Ein Jahr später hat sich diese Zahl rasant entwickelt: Aktuell ist schon mehr als der Hälfte der Deutschen die Abkürzung geläufig – CBD steht für den Wirkstoff Cannabidiol, eines von mehr als 100 bislang entdeckten Cannabinoiden. Besonders stark ist der Bekanntheitsgrad von CBD in der Altersgruppe bis 30 Jahre gestiegen: Konnten vor einem Jahr lediglich 35 % der Befragten etwas mit CBD anfangen, liegt dieser Anteil nun bei ganzen 64 %.

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Zu den Indikationen, bei denen die Menschen in Deutschland am ehesten von einer Wirksamkeit von CBD ausgehen, gehören chronische Schmerzen (78 %), Stress und Nervosität (62 %), entzündliche Erkrankungen (52 %) und Schlaflosigkeit (49 %).

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Unter denjenigen, die den Begriff kennen, liegt die grundsätzliche Bereitschaft, CBD für bestimmte Anwendungen einzusetzen, konstant bei 79 %. Lediglich 8 % dieser Befragten lehnen eine Nutzung kategorisch ab. Deutlich verändert hat sich allerdings die Einstellung zum Thema Selbstmedikation: Nur noch ein Drittel der Kenner*innen würde CBD-Präparate oder -Auszüge in Eigenregie anwenden – vor einem Jahr waren es noch 40 %.

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Rechtliche Lage sorgt für Verunsicherung

Es scheint, als würde mit steigender Bekanntheit auch die Skepsis gegenüber dem Wirkstoff zunehmen. Vor dem Hintergrund der bis heute für viele unklaren Gesetzeslage überrascht das kaum: Im Sommer 2019, kurz nach unserer Befragung, machte etwa der Drogeriemarkt dm mit seiner Entscheidung Schlagzeilen, die nur kurz zuvor ins Sortiment aufgenommenen CBD-Produkte nicht mehr anzubieten. Während dm bis heute zu diesem Entschluss steht, bietet Wettbewerber Rossmann, der sein CBD-Sortiment ebenfalls zunächst auf Eis gelegt hatte, mittlerweile wieder Öle und andere Produkte auf CBD-Basis an.

Dabei ist die rechtliche Situation eigentlich seit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes 2017 geregelt: Dort sind verbindliche Grenzwerte für den THC-Gehalt entsprechender Erzeugnisse festgelegt, unterhalb derer Produkte ohne medizinische Zweckbestimmung verkauft werden dürfen. THC ist im Wesentlichen für den Rausch beim Cannabis-Konsum verantwortlich. Für hanfhaltige Lebensmittel wurden zusätzliche Grenzwerte durch das Bundesinstitut für Risikobewertung definiert.

„Die gesteigerte Bekanntheit von CBD erscheint vor dem Hintergrund der zunehmend prominenten Berichterstattung in letzter Zeit durchaus nachvollziehbar“, erläutert Studienleiterin Janika Feld. „Gleichzeitig beobachten wir eine Differenzierung bei der Wahrnehmung des Wirkstoffs: CBD-haltige Arzneimittel sind grundsätzlich verschreibungspflichtig – dieses Bewusstsein kommt langsam in der Bevölkerung an. Insofern lässt sich das Ergebnis auch als Hinweis darauf werten, dass CBD zunehmend als ernstzunehmender Wirkstoff mit medizinischer Wirkung, aber auch Nebenwirkungen gesehen wird.“