Trends 2007
MAX, Januar 2007
Wie wird sich unsere Gesellschaft im kommenden Jahr entwickeln? Was wird unser Leben bewegen? Wir haben sechs Trendforscher nach ihren Visionen gefragt.
Oh je, oh weh! Was haben uns die Ereignisse der letzten Jahre gebeutelt: der Terroranschlag vom 11. September 2001, der Irakkrieg, der Zusammenbruch der New Economy, eine ratlose deutsche Politik, mehr als vier Millionen Arbeitslose, unsichere Renten, astronomische Benzinpreise. Wie verängstigte, schmollende Kinder verkrochen sich die Deutschen da erst einmal in ihre Wohnungen und machten es sich gemütlich. Kino? Nö, es gibt doch DVDs. Chatrooms ersetzten die Kneipe, Amazon und Ebay den Einkaufsbummel, Computergames den Sportverein.
„Nun aber fällt dem Kind die Decke auf den Kopf", sagt Oliver Leisse vom Trendinstitut EARSandEYES. „Wir wissen: Um trotz widriger Umstände erfolgreich zu sein, müssen wir unsere sichere Höhle verlassen und neu anfangen. Der Wecker klingelt - aufstehen - los geht's - Aufbruch!"
Angestrengt aber auch lustvoll, so haben es die Trendforscher beobachtet, suchen die Menschen wieder nach neuen Konzepten und Werten. Zeit werde zum wertvollsten Luxusgut der Zukunft, glaubt Leisse. „Die Jagd nach Statussymbolen ist vorbei, seit man weiß, dass in tollen Autos nicht immer tolle Typen sitzen." Statt nach teuren Uhren und teuren Autos sehnen wir uns nach Genuss und nach Sinnlichkeit, wir legen Wert auf Kreativität und engagieren uns sozial - auch als Nicht-Promi.
„Ego-Tuning" nennen die Zukunftsforscher das neue Spiel diesen Aufbruch des Einzelnen aus der Krise. „Die Aufbrecher unter uns haben erkannt: Weder auf den Arbeitgeber noch auf den Staat ist heute noch Verlass. Also mobilisiere ich meine eigenen Kräfte, mache mich fit - geistig und körperlich - und probiere w Neues aus", so Leisses Kollegin Susanne Maisch. „Weg mit dem Frustspeck und trainieren", lautet die Devise für das dicke Kind Deutschland. „Es fängt wieder an zu schwitzen", sagt Leisse - macht Power-Pilates, statt sich vom Fernseher berieseln zu lassen, ernährt sich gesund, nimmt an Bildungsreisen, Motivationsworkshops und Sprachkursen teil und entwickelt neue, kluge Geschäftsideen. Derart ego-getunt kann es ja nur bergauf gehen - für den Einzelnen. Und was machen die anderen? „Leider werden nicht alle die Chancen kommender Veränderungen nutzen", unken die Visionäre. Neben den Aufbrechern gebe es in der Gesellschaft bald auch eine neue Spezies: die Spießer und Bremser - passive Bewahrer, die keinen Beitrag zur Problemlösung leisten. Die brauchen dann wohl einen extra lauten Weckruf.
Susanne Maisch und Oliver Leisse sind Geschäftsführende Gesellschafter des Hamburger Markt- und Trendforschungsinstituts EARSandEYES.
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